Episode 0: Queerantine

Hi, ich bin Caroline, in persönlichen Kreisen auch Caro, im Videospielumfeld zumeist eine Hardcora. Ich bin inzwischen, 2020, 35 Jahre alt und habe rund 33 Jahre davon in Hetero-Beziehungen gelebt. 2019 sollte mein großes Coming-Out-Jahr werden. Wobei das kein klassisches Coming-Out war, sondern eher ein finales. Davor dachte ich immer, dass ich bisexuell sei. Doch ich traute mich nie, eine Beziehung mit einer Frau einzugehen. Ich wusste auch schlicht nicht, wo und wie man „dieses Thema“ angeht.

2019 warf mich schließlich in den Dating-Pool, was denn auch sehr erfolgreich endete. Inzwischen habe ich eine wunderbare Freundin und posaune quasi täglich in die Welt hinaus, wie großartig es ist, wenn man sich nach Jahren des Versteckens endlich wohl in der eigenen Haut fühlt.

Aufwachen

Im März 2020 meldete ich mich bei Matthias Kreienbrink, einem Autor, der für einen Artikel bei Bento auf der Suche nach queeren Ansprechpartner:innen war und mit ihnen darüber sprechen wollte, wie es ist, queer aufzuwachsen. Nun, das bin ich nicht wirklich. Aber ich konnte ihm davon erzählen, wie es ist, NICHT queer aufzuwachsen, obwohl man queer ist.

In unserem rund 30-minütigen Telefonat erzählte ich von meiner Jugend und meinen Erfahrungen. Das Gespräch löste bei mir eine Welle von Erinnerungen aus. Erinnerungen, die ich verdrängt hatte. Erinnerungen, die mir verdeutlichten, wie sehr und wie lange ich meine Identität bisher unterdrückt hatte. Mir wurde bewusst, wie viel bisher ungesagt geblieben war. Mir wurde bewusst, dass mir selbst diese Lesequellen in meiner Jugend gefehlt hatten. Ich entschied mich also dazu einen Blog zu starten.

Entsprechend grübelte und grübelte ich. So viele Gesprächsthemen poppten auf, Ideen für Logos und auf einmal war Pandemie.

Queerantäne

Die Pandemie kam und die Menschen begaben sich in Quarantäne. Ein mir sehr vertrautes Gefühl, schließlich kamen mir rückblickend meine ersten 33 Lebensjahre genau so vor. Mit dem Unterschied, dass ich mich freiwillig in eben jene begeben hatte, da ich mich nicht in die bunte Welt da draußen getraut hatte.

Statt in Quarantäne war ich also in Queerantäne. Ich schützte die Außenwelt vor meiner Queerness. Oder mich vor der Welt? Vermutlich eher das.

Das Warum

Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich kein Fan von Soloprojekten bin. Ich arbeite gerne im Team, überlasse anderen gerne die Bühne und möchte selbst nicht im Mittelpunkt stehen.

Da ich aber weiß, wie es ist, ein Leben lang ohne echte Vorbilder oder auch schlicht nur Gleichgesinnte aufzuwachsen, will ich mit diesem Blog zumindest Menschen erreichen, die Ähnliches durchmachen. Ich möchte Menschen erreichen, die sich mit dem späten Coming-Out, Late Bloomer Lesbians oder auch Heteronormativität bisher nicht beschäftigt haben. Ich möchte Menschen erreichen, die gerne ihren Horizont erweitern wollen. Ich hoffe, dass ich dem gerecht werden kann.

Willkommen bei meiner Reise durch die bunte Welt.

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